Fucked up
Entfesselt
in der tragikomischen Irrnis
deiner tiefsitzenden Gedanken.
Erlegt,
zwischen deinen Fingerkuppen
die sich ihren Weg bahnen zu den
bebenden Tautropfen meiner integren
Augenblicklichkeit.
Gekreuzigt,
zwischen naiver Hoffnung und
gebügeltem Galgenhumor
und deine Zunge
die unmoralisch meine Wirbelsäule begleitet
wird mein strammes Rückrat nicht brechen
das sich nur biegt
um dir mein Wertvollstes
zu präsentieren.
^
Reingewaschen
Junger Frühlingsregen
hämmert auf meine Schultern
fließt die Arme hinab
kühl durchdringend
die Erinnerung
an all die toten Winterküsse
von dir, von ihm und ihm und...
meine Haut ist rosig und nass
keine Spuren zu sehen
die Lippen rubin und unberührt
Küsse die Luft zwischen den Tropfen
denke an nichts mehr als an das
Trommeln rings umher,
schmecke den Regen und fange an
die Wirklichkeit zu lieben
^
Schau=Spiel
Mit enger Pupille
blicke ich tief in dich hinein,
schlage ein Bein
über das andere,
lehne mich zurück und
begleite Rauchkringel blasend
dein zuckendes Schwert,
das triumphierend
in ihre weiche Wunde schlitzt,
im Dunkel verschwindet,
wieder auftaucht,
verschwindet,
wieder auftaucht.
Mit jedem Stoß blickst du tief
in mich hinein,
schlagen ihre Laute Wellen,
legst dich in sie rein und
begleitest meinen kurzen Atem
mit weiter Pupille,
wie ich auf den Wellen reite
bewegungslos
und hast mich
in der Hand
die sie zu spüren bekommt.
^
Araneus
Du bist in meinem Wurzelwerk gefangen,
ich hab dich stolpern und dich fallen sehn
Du bist mir in mein Dornennetz gegangen
jetzt lass ich dich, mein Fischlein,
nicht mehr gehn
Wie schön du zappelst, rappelst und
dich windest, rollst mit den Augen
und weißt nicht wohin
wie schön du sabbelst, brabbelst,
keinen Ausweg findest
du bist für meine Lust der Hauptgewinn
Mit scharfen Zähnen, Krallen und Metallen
mal dir ein rotes Bildnis auf den Leib
Halt still! Beweg dich nicht! Mein Liebling,
wenn ich mein Gift in deine Wunden reib
Für immer sollst du meinen Namen tragen
In Stirn gemeißelt, meine Liebesspur
Kein Laut soll deiner Kehle mehr entweichen
nach deinem letzten Treueschwur
Du bist in meinem Wurzelwerk gefangen
Ich hab dich stolpern und dich fallen sehn
Du bist mir in mein Dornennetz gegangen
Ich lass dich niemals mehr,
mein Fischlein, gehn
^
Erwachen
Hinter dichten Wolken
schlafen Frühlingssonnen
unbedeckt und warm.
Noch rührt dein Drängen nicht
an ihren trägen Traum,
doch öffnen sich die Fenster
deiner schweren Augen
geben deinem Blick allmählich
Raum für den Abdruck der
Wahrhaftigkeit die schwankend
auf den Kopf gestellt
durch deine Adern schießt.
Ins rechte Morgenlicht gerückt
erkennst du deine Gegenwehr
die aus jenen alten Stunden fließ,t
die deinen Namen tragen,
öffnest zögernd deine Hand
in die genau ein Leben passt
und richtest dir ein Nest darin
das deine ganze Welt umfasst
und wartest nun auf gar nichts mehr.
^
Eitelkeit vs Introspektion
Dir selbst ein Fühlen
vorgaukelnd,
das alles Schweigen
deines Inneren bedeckt.
Mit prallen Früchten
fremder Phantasien,
malst dir auf Stelzen gehend
einen weiten Horizont
und ignorierst den sterbenden
Grashalm zu deinen
schwankenden Füßen.
^
Nachtgebahren
Ich liege Nacht
für Nacht wach
bohre Löcher in
Tapete oder sowas
ähnliches
aber sie
spürt ja nichts
oder
gibt es bereits
f ühlende Tapete?
Dann wäre meine
eher masochistischer Natur
sie sagt ja nichts
und brennt doch jede
Nacht.
Wie auch immer -
Wachliegen
Nägelkauen
in Gedanken sind es
deine Lippen
aufgetürmt zu
Wolken.
Mond scheint herein
unterhält mit
meinen blanken
Brüsten
ein einseitiges Gespräch
es passiert
wie immer
nichts
Ich überfalle nicht
um 2 Uhr morgens
meinen Kühlschrank
wie andere
ich überfalle dich
in deinen Träumen
und hoffe
ein bisschen
dass du die Nacht
überlebst
^
Heim-gesucht
- Deine Turnschuhe passen
nicht zu deinem Gesicht -
Was besseres fällt mir
nicht ein an Kritik-
du lächelst nur
und ziehst mich
zu dir hinab -
oder hinauf?
Wie war das mit den Richtungen?
Ich weiß nicht mehr seit du da bist
bin ich überall
Du weißt ein schönes Spiel
Ja!
deine Barthaare kitzeln mich
wach
seit du da bist bin ich eins
mit meinem Lustorgan
ich weiß nicht
schön
bist du eigentlich nicht
Es muss doch noch was anderes geben
oder?
Aber erst mit 60 -
sagt meine Mutter und legt sich
weise ins Zeug -
soll er doch mit 18-jährigen-
MIR ist das egal -
die kriegt er eh nicht mehr-
aber das nur am Rande
Bleib noch ein bisschen
ich spiel auch mit
bis ich erwachsen bin
und dich an Jüngere verschenke
^
Der Mann mit der Pflanzelanze
Niemals dich erkennen in der
Straßenmenge
schwach beleuchtet, voller Schatten
deine Existenz
keine Stimme, die nach
meinem Namen trachtet
auch kein Blick
in meinem Blick versenkt.
Nur durch Worte, einzig
schaffst du eine Welt,
die mich umschließt und
sicher trägt
bist mir Schiff und Segel
durch die Nacht
die aller Sinne doch beraubt
deine Nähe greifbar werden lässt.
^
Ich gehöre in den Weltraum
Aus der Schwerelosigkeit
bin ich geboren
hineingezwängt in
irdische Enge, Maß und Norm
Mit dem einzigen Ziel -
die Hüllen zu sprengen
und nach Hause finden
Am Ende einer langen
Katharsis.
^
Das Ende einer Illusion
Eine Leiter
an den Jupiter gelehnt
Sprosse für Sprosse
haben wir sie erklommen
und sind abgestürzt
knapp
unter den Wolken.
Es war mein Fehler
mich umzudrehen
und zu sehen,
du bist gar nicht da.
^
Die Verhüllung des Herzens
Es ist genug
des rostigen Trosts
den fremd
besessene Schultern
in erlogener Zeit
imstande sind
zu geben.
Es ist genug
der weingetränkten
Küsse
die des nachts
das wundgesprochene
Selbstbild ratlos
flicken.
Es ist genug
in den Morgen geschaut
mit Nachtgeschmack
im Haar
mit tabakschwangerer
Befremdung
die durch alle Poren
schleicht.
Es ist Zeit
für den unbestochenen
Blick,
den aufrechten
Gang,
für die Verhüllung
Des Herzens.
^
Trinkschwester
«Eine Flasche habe ich noch», sagt sie,
mit diesem Blick,
zwischen Freude und Abscheu.
Wir zählen die leeren drei.
Die Vierte würde nichts mehr ändern.
Und dennoch will ich ihre Hoffnung
immer wieder enttäuschen.
(veröffentlicht in den Fürther Nachrichten/Thema Alkohol/21.04.2009)
^
Der Tod hat eine Menschenfratze
Du. Tod,
kommst nicht in weiß
mit wehendem Haar und
Lippen aus Licht.
Kommst nicht in schwarz,
keine klappernden Hufe und
keine Worte aus Nacht.
Wirst auch nicht zitronengelb
Deinen Vanilleatem um meine
transzendente Seele hüllen.
Du bist ,Tod, ohne Eigenschaften.
Doch unsere Angst
malt dich an in allen Farben.
Die Verwüstung der Herzen
die zurückbleiben
gibt dir eine Menschenfratze,
denn allzu menschlich ist
die Vorstellung von Vernichtung.
^
Out of the blue into the black
Mit 15 spielt man
das Gedankengut
der Selbstmörder durch,
um das Leben kennen zu lernen.
Mit 30 kennt man das Leben
und spielt nur noch selten.
^
Der da Draußen sitzt
Er sitzt da Draußen
Jeden Tag,
sieht die Leute vorbeigehen.
Seine Hand, die hält er auf,
erwartet das ein oder andere
Einsehen.
Doch die Blicke gleiten ab,
kurz über seinem Haupt.
Kein Auge will ihn sitzen sehn,
in all dem Dreck und Staub.
Und doch schleicht er sich
für einen Augenblick
in jenes Still hinein, das hinter
Alltagslärm und Schaufensterschick
einen Jeden erinnert zerbrechlich zu sein,
auch wenn es keiner will.
^
Pas de Deux
Du erzählst mir von Deinen Gefällen.
Ich aber sehe dahinter Schluchten.
Du erzählst mir von Deinen Windungen.
Ich aber sehe dahinter Labyrinthe.
Mit dem Rücken lehne ich an Deinem Tor,
Zu dem Du mir erst Einlass gewährst,
wenn ich daran klopfe.
Ich klopfe aber nicht – Ich lasse mich bitten.
^
In der Novembernacht
In der Novembernacht rauh und
Ohne Orion, ziehen weiße Wolken
durch die kahlen Bäume.
Harter Nordwind flieht durch schmale
Ritzen ein, scheucht Flammen hoch
in karge Winterräume.
Ungerichtete Gedanken zittern lautlos
über kahle Wände.
Kreuzen, züngeln und umarmen mich,
jagen wirr den Kopf in meine hohlen Hände.
Angstgespenster fließen durch den Raum
und machen sich ein Nest darin.
Die Sehnsucht ruht als weit entfernter Traum
^
Kräutergarten
Ich pflücke deinen Koriander,
spiel mit deinem Estragon,
geh mit deinem Pfeffer baden,
atme dein Basilikum.
Lass mich ein in deinen Garten!
Lass mich in dein Labyrinth!
An Dill und Bohnenkraut will
ich mich laben und dich würzen
mit Absinth.
^
Warnung
Ich bin die Wüste,
durch meine Dünen
lass ich jene ziehen
die sich wappnen
mit Ziel und Weitsicht.
Es verenden die Entdecker,
die nichts wissen
von Hitze und Kälte.
^
Für die Ewigkeit
Es könnte reichen...
Das Meer der Gelassenheit
flüstert sacht sein Wellenlied
durch meine Venen.
Es könnte reichen...
Mein Bild von der Unsterblicheit
bist du, so fremd und schön,
beständiges Geheimnis.
Er könnte reichen
in die Ewigkeit
der Fluss jener Verlassenheit
der mich zu deinen Lippen trägt.
Willst mir verraten wo du wohnst,
das weiß ich schon:
abgrundtief in mir.
^
Das Herz
das nie vernommen hat
den eigenen Klang
und taub ist für
fremde Gesänge,
wird klopfen
in förmlichem Takt,
sich aber niemals
überschlagen
^
Un poison violent c’est ca l’amour
An den Mast
meiner Skepsis
gekettet,
gebe ich mich
deiner Nähe hin,
die mich ins Verderben lockt.
Ich werde widerstehen
Bis zum Sonnenuntergang
^
Determiniertes Genom
Mein Geist wird zerfließen,
mein Körper zerfallen,
lange bevor die Töne meiner
Uhr verhallen.
Tief in meiner Biochemie
steht in der Sequenz verborgen:
Lebe mit allen Sinnen
und vertraue nie.
Ich beschreibe meine inneren Wände:
In Allem bist du einsam
Und geborgen erst am Ende.
^
An den Mond
Vielbegaffter Mond,
dein nackter Leib hängt weiß und stumm
über meiner Stirne.
Und wenn ich dir zu Ehren hoch erhöbe
meines Hinterns gold’ne Birne,
du schwiegst in kühler Ewigkeit
auf mich und ihn herab.
^
Fast
ist die Nacht
in mir
zusammengebrochen.
Fast
hätte ich sie
in meinem Schlund
begraben.
Fast
hätte ich ihr
den dunklen Atem
geraubt.
Doch dann
kam eine warme Hand,
zog mich
in künstliches Licht,
gab mir
trockenen Wein,
blauen Dunst
und ein Gespräch
über die Liebe.
Ich wünschte,
ich wäre
geblieben
in der Nacht,
die nur in mir
ihre Federn
gebreitet hätte,
über meine Vorstellung
von Einsamkeit.
^
Flaschengeist
Wer bist du,
der auf der Matratze sitzt,
im kalten Zimmer,
ohne Strom und Heizung?
Wer bist du,
der an seiner Zigarette zieht,
als hätte er ein Tabakfeld?
Wenn du aus dem Fenster siehst,
auf einen kahlen Baum,
den alle Vögel meiden,
wer bist du dann?
Die Flasche hältst du in der Hand
und lächelst, denn es funktioniert,
das endlose Vergessen,
was vor dem Zimmer war,
vor der Kälte, dem Erwachen.
Du trinkst die Flasche leer,
dein Blick geht nur nach Außen,
denn Innen, da ist keiner mehr,
der da war, ist lange schon verschwunden.
Und du fühlst dich nebenan,
und lebst das Leben eines Fremden.
(veröffentlicht in den Fürther Nachrichten/Thema Alkohol/21.04.2009)
^
Divo Ovza
Ein falscher Winter
brachte mir
Deine Naturgewalt
sie strömte ein
wie blindes Gas
durch jede Ritze
in mein Zitterhaus
hinweggefegt, das
dürre Holz verbrannt
das mühsam ich beisammen
hielt, hast Du Paläste
mir gebaut und auf
Podeste mich gestellt
und zehn mal mehr
mit Gold bezahlt
was ich an bleichen Talern
Dir entgegenhielt
Nichtmal
ein Kuss
war uns vergönnt
nur Regen fiel auf meinen
Mund der sich entgegenhob
zu Dir und lächelte
Auf bald!
er lächelte
Auf bald.
Ein wildes Schaf
erfand die Liebe neu
und zeigte mir
wie Wölfe gehn -
auf leisen Pfoten, ohne Spuren.
In diesem Winter
fiel kein Schnee
einhundertundacht Tage lang.
^
Fit in den Tod
Zur Brust die Knie!
Auf Vollgas das Laufband!
- mentalgepeitscht das Fitnessvieh.
Weiter, weiter!
Gestrafft der Bauch,
90 Grad die Nippel,
im Soll der Kalorienverbrauch.
Heiter, heiter!
Wasser saufen, Rohkostschnitten,
Marathonlaufen, feste Titten,
Hirn gewaschen, Geist geklärt,
durch Sauerstoffflaschen
Darm geleert -im Einheitspuls
Marsch! -
Bis der Tod dich fickt
in den knackigen Arsch.
^
Die Freiheit der Geometrie
ein spitzer Winkel sticht
in meine hohle Hand
und zeigt rotierend
auf die Linie diagonal
zu meinem schrägen Blick.
Der Atem bricht
an ihrem Strich und ein
gekrümmter Tag entfernt sich
Punkt für Punkt.
Im Prisma der Pyramide
ersehne ich den Kreis
in den ich mich versenken kann.
^
Mula Ena
Spaziergängerin
in trüben Labyrinthen
ewiger Häuserschluchten.
Der Rhythmus ihrer Schritte
hebt den Herzschlag der Stille,
tröpfelnde Seufzer stolpern
die Wände herab.
Von blinden Fenstern begleitet
reflektieren einzig ihre Augen
die blasse Sonne.
^
Das geköpfte Huhn träumt von Weizen
Monate des Schweigens,
jahreszeitenlang.
Gefroren, abgeschaltet, tief verborgen
unter vergangenen Phantasmen -
dunkles Grollen.
An der Oberfläche blubbert zärtlich
junges, frisches Glück,
unangreifbar, unantastbar, unverwundbar schön.
Doch dann…
Ein fremder Blick. Eine verborgene Geste. Ein seltenes Wort.
Die Kruste bricht.
Ein Tautropfen zischt auf kalter Haut.
Fingerkuppen wandern, tasten, verbrennen
an scharfen Gedanken, ziehen sich zurück,
verkrampfen herzhaft ineinander.
Eingeschnürt in den Cocon unangreifbarer Moral,
sind es nur die Augenblicke, die sich regen.
Sie folgen dem kühlen Schauer, abwärts
in die feuchte Erde.
Wo nackte Schnecken sich die Fühler lecken
und ihre Spuren ziehen,
lautlos.
^
Rêverie
Durch Zeitfenster steigen.
Entlegene Sphären durchstreifen.
Mit Protonen verstecken spielen und
gleichzeitig ankommen und weggehen.
Universelle Schleifen binden.
Quantensprünge in schwarze Löcher wagen.
Haltlos, machtlos, schwerelos
durch die Milchstraße schweben.
Oder einfach nur im Gras liegen und
vom Küssen träumen.
^
Monamori
Deine Wärme umhüllt mich…
wie der erhabene Duft die Lilie,
wie der klare Tautropfen den Grashalm,
wie das satte Blau die Kornblume.
Ich versinke in Deinem weichen Blick,
falle sanft durch Wolken,
falle auf Moos,
falle auf Heu.
Du willst mich nicht verändern,
denn ich bin vollkommen.
So wie Du es bist.
So wie Alles,
so wie jeder auf seine Art vollkommen ist.
Wir verschmelzen ineinander,
ohne uns aufzulösen,
ohne uns aufzugeben,
ohne uns zu vergessen.
Hier gibt es keine Explosionen.
Ein Vibrieren, Flirren und Schillern
ist unsere chemische Reaktion.
Ich simmere, schwummere und wolumse,
mit Dir an meiner Seite.
^
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